Wettkampf

Südpfalzlauf Rülzheim – durch den Wald zum Rekord

Vor dem Start beim Südpfalzlauf in Rülzheim

Die Pfalz. Ein Gebiet voller schöner Wälder und vielen tollen Laufveranstaltungen. Diese Aussage ist hinsichtlich der Tatsache, da sie von mir als Badener stammt, noch höher zu bewerten. Hier ist auch der Südpfalzlauf Rülzheim beheimatet – tolle Organisation, tolle Strecke, stockdunkler Wald. Am Pfingstmontag trat ich hier über die Halbmarathondistanz an und dabei passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Bei weitem nicht!

Passend zu allen bisherigen Volksläufen in diesem Jahr, bei denen ich startete, war es wieder kalt und verregnet. Gut, es waren mit diesem Halbmarathon auch erst zwei Volksläufe, trotzdem war das sehr nervig. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass es mittlerweile Mitte Mai ist. Wer rechnet da noch mit Temperaturen um 7°C am Morgen?

Saucony Kinvara 7 oder adiZero Tempo 7

Abgesehen vom Wetter hatte mich im Vorfeld fast ausschließlich die Schuhwahl beschäftigt. Da ich mein Laufschuhregal nach vier Jahren endlich ausgedünnt und ausgewechselt hatte, waren zur Auswahl noch der Saucony Kinvara 7 oder der adidas adiZero Tempo Boost 7. Beide noch nicht eingelaufen, beide daher ein Risiko. Ursprünglich sollte es der Kinvara 7 sein, denn auch das Modell der dritten Generation hatte ich 2012 direkt aus der Schachtel zum Bienwald-Halbmarathon angezogen. Da ich aber im Vorfeld mit Problemen an der Achillessehne zu kämpfen hatte, fiel die Wahl dann doch auf den adidas, da dieser über eine höhere Sprengung verfügt und dadurch die Sehne weniger belastet werden würde. Soweit die Theorie.

Läuferfrühstück mal anders

Der Pfingstmontag begann dann relativ früh, denn um kurz nach sieben war ich bereits mit dem Auto unterwegs Richtung Südpfalzlauf in Rülzheim. Da ich vor ein paar Wochen in Neureut während des Laufs mit dem Frühstücksmüsli zu kämpfen hatte, versuchte ich es an diesem Morgen mit einer Butterbrezel von der Tanke als Powernahrung. Danach noch eine Banane hinterher und der Energiespeicher füllte sich. Nur den Kaffee hatte ich vergessen, wobei der sich bei mir primär auf die Laune auswirkt. Die Laune sollte dann aber spätestens nach dem Lauf gut sein.

Pausenläufer unter sich

Unterwegs sprang noch mein laufbegeisteter Kollege Michael Bieniek ins Auto, der ebenfalls häufig in der Mittagspause seine Runden dreht. Er hatte sich am Vorabend spontan für die 21,1 km entschieden, nachdem er eigentlich nur über 10km an den Start wollte. Seine Nachricht lautete folgendermaßen:

21:41 Uhr: „Okay. Puh. Ja, komme mit. Der 10er wird’s – dann um 8 Uhr bei mir.“

21:48 Uhr: „Vielleicht laufe ich auch den halben… ;-)“

Kann man ja einfach mal machen, oder nicht? Spontan ist immer am besten.

Perfekte Organisation in Rülzheim

In Rülzheim angekommen, machten sich einige Ordner daran, die Autos auf die Parkplätze zu verteilen. Alle Parkplätze einen Katzensprung vom Start entfernt – super. Auch die Startnummernausgabe war problemlos und ohne Anstehen organisiert, so muss das sein. Nur der Zustand der Toiletten vor dem Start, der war im wahrsten Sinne des Wortes scheiße. Näher möchte ich darauf nicht eingehen. Aber vor 21,1 km sollte man dennoch das stille Örtchen aufsuchen, denn es dauert ja bekanntlich seine Zeit, die Distanz zu laufen. Frische Luft gab es anschließend ja auch noch mehr als genug.

Ich hatte mir vorgenommen einen 4:16er-Schnitt zu laufen, um bei 1:30 h zu landen. Definitiv wollte ich nicht wieder den Fehler machen und zu schnell auf den ersten Kilometern unterwegs zu sein. Da ich nur zweimal im Vorfeld eine längere Distanz als 10km laufen konnte (das ist der Nachteil, wenn man fast ausschließlich die Mittagspause nutzt), war alles darüber hinaus eine unbekannte Größe. Michael hingegen wollte einfach nur durchkommen. Für ihn und mich gab nach dem Lauf aber eine dicke Überraschung.

Start und ab in den dunklen Wald

Pünktlich um 9:20 Uhr startete dann der Halbmarathon aus Rülzheim heraus. Fast pünktlich –  ein heranfahrendes Auto brachte den Starter komplett aus dem Konzept und er vergaß das Läuferfeld pünktlich loszuschicken. Dieses setzte sich aber dann doch geballt in Richtung Wald in Bewegung. Und dann wurde es erstmal dunkel. Dichtes Blattwerk und viele Bäume verdunkelten die Laufstrecke, die fast ausschließlich über Waldwege verlief.

Die Strecke vom Südpfalzlauf in Rülzheim
21,1 km durch den Wald bei Rülzheim.

Das Feld von 178 Läufern entzerrte sich ziemlich schnell und ich hatte wieder die Befürchtung, dass es wie in Neureut ein einsames Rennen wird. Zur Spitzengruppe reicht es nie, für ein „normales“ Tempo bin ich aber zu schnell. Der erste Kilometer verlief einsam in 3:59 min/km – also schon wieder viel zu schnell. Auch wenn sich das Tempo gut anfühlte.

Der Mann mit der Startnummer 686

Aber was war das? Auf einmal tauchte ein weiterer Läufer aus dem Nichts neben mir auf. Mir fiel sofort auf, dass er die gleiche Schrittfrequenz und ein ähnliches Tempo vorlegte wie ich. Ich ging davon aus, dass er mit einem 4er-Schnitt unterwegs sein wollte und entschied auch das erste Tempo einfach vorerst beizubehalten. Und so ging es weiter. An ein paar Stellen zog er mich, an ein paar weiteren Stellen zog ich ihn.

Nach den ersten 10km, die wir in knapp unter 40 min absolvierten, hatte ich dann aber doch die Vermutung, dass ich die Pace nicht durchhalten könnte. Außerdem sah der Kurs zwei ähnliche Runden vor – das ruft bei mir dann schnell Langeweile auf und die Gefahr eines Abbruchs war groß. Noch größer war aber der Ehrgeiz und der Wille nicht vor der Startnummer 686 klein beizugeben. Also weiter.

Den Namen des Läufers lernte ich erst bei der Durchsicht der Ergebnisliste später kennen, aber bevor ich nun dauernd „der Läufer mit der Startnummer 686“ schreibe, nenne ich ihn beim Namen: Uwe Gericke von der LSG Karlsruhe. Während des Laufs sind Namen aber ohnehin Schall und Rauch. Sein Ziel war es, die 15km unter einer Stunde zu laufen.  Das bedeutete, dass die Pace von mindestens 4:00 min/km beibehalten werden musste. Oh Mann!

Meine Garmin-GPS-Uhr hatte nicht ganz korrekt die Distanzen gemessen, aber die 15km-Marke durchliefen wir bei 59:40 min. Und ab jetzt waren es nur noch 6,1 km. Und 6,1 km müssten auch auch bei 4:00 min/km weiter drin sein. Augen zu und durch. Soweit wieder die Theorie.

Endspurt beim Südpfalzlauf

Gegenseitig zogen wir das Tempo aber sogar noch weiter an und überholten noch zwei Läufer, die vor uns unterwegs waren. Uwe war der laufende Rechner und prognostizierte nach jedem Kilometer unsere Zielzeit. Und diese Zielzeit war mittlerweile weit schneller als meine persönliche Bestzeit über die Halbmarathondistanz von 2011 mit 1:23:56 h. Wahnsinn.

Und so kam es auch. Nach einem Spurt am Ende überschritt ich die Ziellinie bei 1:23:02 h als 10. insgesamt und als 2. meiner Altersklasse M35. Uwe kam ein paar Sekunden später über die Linie. Auch er war begeistert von unseren Zeiten und für die Nachwelt haben wir diese Bestleistungen mit einem Foto dokumentiert.

Im Ziel beim Südpfalzlauf in Rülzheim
Uwe Gericke (li.) und ich im Ziel.

Noch ein Rekord in Rülzheim

Danach wartete ich auf Michael. Er wollte ursprünglich einfach nur durchlaufen und ich wusste nicht, wann er durch das Ziel kommen würde. Aber auch er kam schneller als gedacht über die Ziellinie. Bereits nach 1:43:18 schoss er als lila Blitz an mir im Ziel vorbei und verbesserte damit seine persönliche Bestzeit um einige Minuten. Hut ab!

Michael beim Südpfalzlauf Rülzheim
Michael Bieniek beim Zieleinlauf.

Das war ein sportlich erfolgreicher Pfingstmontag. Richtige Schuhwahl, Tempo richtig gehalten und den richtigen Laufpartner gehabt. Was nicht richtig war, war die Distanzmessung der Garmin-Uhr. Trotzdem lohnt ein Blick auf die Dokumentation des Laufes auf meiner Strava-Seite. Wie dem auch sei, ich orientiere mich zu meinem Vorteil an der Ergebnisliste und freue mich über die Zeit. Übrigens auch wieder der Beweis, dass das alles mit kompakten Läufen in der Mittagspause möglich ist.

Was mittlerweile nicht mehr fehlen darf ist meine Zusammenfassung als Video. Damit wünsche ich viel Spaß und lege jetzt erstmal eine Laufpause ein. Bis morgen Mittag zur Pause. Dann drehe ich mit Michael Bieniek eine lockere Runde in der Weststadt von Karlsruhe.

11 Kommentare zu “Südpfalzlauf Rülzheim – durch den Wald zum Rekord

  1. Jetzt gib endlich zu, dass Du die letzten Jahre heimlich trainiert hast. Das kann doch nicht sein, dass Du 3 Jahre nicht läufst und dann in kürzester Zeit eine neue PB läufst. Irgendwie mache ich was falsch. Aber es sei Dir absolut gegönnt! Herzlichen Glückwunsch zur neuen PB! 🙂

    • Florian Bernard

      Danke! Indirekt bin ich schon gelaufen, allerdings eher den Handwerkern hinterher. Aber momentan läuft es sich wirklich gut.

  2. Ich dachte erst, Du hättest im Ziel ein Foto mit Stefan Effenberg gemacht. ;-D

    Tja und sonst – was soll man dazu noch sagen, außer „Herzlichen Glückwunsch zu dieser Superleistung!“? Du bist und bleibst wohl ein Naturtalent, was das Laufen angeht. Bin mal gespannt, was da jetzt noch so kommt in den nächsten Wochen! Alles Gute weiterhin! Klasse!

    Sportliche Grüße aus Köln!
    Mario

    • Florian Bernard

      Nein, wir waren schneller als Effenberg… Bin aber auch gespannt wie es weiterläuft. Momentan fallen die Läufe in der Pause anderen Terminen zum Opfer – aber ich bleibe dran!

  3. „… dabei passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Bei weitem nicht!“ – Das wäre im Stile von Heftig.co doch die viel bessere Überschrift gewesen 😉

    Glückwunsch zur spontanen Bestzeit! „Unverhofft kommt hofft“ würde ich sofort unterschreiben, passt hier ja aber nur bedingt. Du bist ja nicht nur ohne das Vorhaben, Bestzeit zu laufen, unterwegs gewesen, sondern ja durchaus nach einer längeren Quasi-Pause. Das ist schon ganz stark, so zurück zu kommen!

    • Florian Bernard

      Danke – die Überschrift nehme ich das nächste mal. 😉 Finde es übrigens ziemlich stark, wie du dich während meiner Pause noch weiter gesteigert hast. Ist schon fast unheimlich…

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  5. Wow… kann mich nur anschließen. Glückwunsch & Respekt. Bin letztes Jahr bei dem Versuch die Sub85 auf den Halbmarathon zu laufen auf den letzten Kilometern bitterlich eingegangen und du machst das mit kurzen Trainingsläufen in der Mittagspause spontan… der Wahnsinn. Und das nach der Pause – als du noch auf deiner alten Seite gelegentlich geschrieben hast warst du ein etwas schnellerer Läufer als ich – und jetzt bist du trotz Pause der deutlich schnellere Läufer – irgendetwas habe ich wohl falsch gemacht, in den letzten Jahren.

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