Laufgedanken

Laufen mit Stil – wie der Laufstil alles ändert und beschleunigt

Besser Laufen mit dem richtigen Laufstil

Ich bin als Läufer eigentlich benachteiligt, denn große Dauerläufer haben es erwiesenermaßen schwerer als kleine Dauerläufer. Die Durchschnittsgröße der Top-100-Marathonis liegt lt. einer Studie bei 1,69 m – also 23 cm weniger als ich es bin. Ganz zu schweigen vom Gewicht. Mit ungefähr 85kg trage ich auch wesentlich mehr Masse durch die Gegend.

Mehr Energie bedeutet mehr Hitze

Das ist auch gleich das erste Argument, das gegen mich spricht. Mit dem größeren Gewicht gehen zwar auch mehr Muskelmasse und mehr Energie einher, aber um diese zu erzeugen wird auch mehr Wärme erzeugt. Hitze steht in Proportion zur Masse, die Fähigkeit die Hitze wiederum abzugeben, steht in Proportion zur Körperfläche. Da Körpermasse schneller zunimmt als Körperoberfläche, müssen größere Läufer vorsichtiger mit Überhitzung und damit mit Anstrengung umgehen. Kompliziert? Nein, ganz einfache Physik.

Mehr Masse bedeutet höhere Aufprallkraft

Das zweite Argument bezieht sich auf die Aufprallkraft. Da das Gewicht schneller zunimmt im Vergleich zur Fußgröße, entstehen für den größeren und schwereren Läufer auch härtere Kilometer.

Der Laufstil als Antwort auf das Handicap

Was nun? Eine Möglichkeit, sich als schwerer und großer Läufer mit dem Thema auseinanderzusetzen, liegt im Laufstil. Eine schöne Übersicht über das Thema gibt es hierzu auf der Seite von Sportscheck. Ich war bisher eher den Fersenläufern zuzuordnen, d.h. der Aufprall erfolgt über die Ferse. So erkenne ich es in Videos und Bildern von mir und hatte auch solch einen Eindruck. Nun habe ich allerdings auch schon öfter beim Schauen der Videos meines Namensvetters Florian Neuschwander immer wieder gedacht, dass er in seinem Laufstil richtiggehend tippelt. Hierzu ein Beispiel:

Er ist zwar auch kein Riese und kein Schwergewicht, dennoch hat mich das alles zum Nachdenken gebracht. Sollte es insgesamt einfacher sein, wenn ich nicht über die Ferse laufe? Auf zum Versuch!

Laufstil im Versuch 1: Kurzstrecke

Zuerst bin ich meine kurze Heimstrecke angegangen und habe krampfhaft versucht über den Vorfuß zu laufen. Daran gewöhnt man sich zügig, allerdings beansprucht es auch ganz andere Muskelpartien. Aber die Runde war schneller und von der Anstrengung bzw. vom Durchschnittspuls geringer als sonst. Wahnsinn. Wenn auch nur über knappe 4 Kilometer.

Laufstil im Versuch 2: Mittelstrecke

Auf der Albrunde habe ich das direkt nochmal versucht. Die Strecke über 12 Kilometer habe ich nicht geschafft komplett über den Vorderfuß zu laufen. Da wo ich es allerdings durchgezogen habe (mit ein paar Blicken interessierter Fußgänger), war der Lauf auch wesentlich effizienter. Den Muskelkater, den ich womöglich erlitten hätte, wenn ich die Strecke komplett über den Vorfuß gelaufen wäre, möchte ich mir aber bis heute nicht vorstellen.

Die goldene Mitte

Auf mittleren und längeren Strecken scheint der Vorderfußlauf nicht zu funktionieren. Bleibt noch der Mittelweg, ich meine der Mittelfußlauf. Dieser stellt sich bei mir mittlerweile schon fast automatisch ein, nachdem ich häufig über den Vorderfuß gelaufen bin. Ich merke, wie ich seitdem wesentlich effizienter bei den Läufen unterwegs bin. Ob sich das auch messbar bemerkbar macht, werde ich beim nächsten Volkslauf sehen in Neureut, bei dem ich einen direkten Vergleich zum letzten Jahr habe.

Der Laufstil ist bei jedem anders

Mit der Anpassung des Laufstils verändern sich weitere Dinge, wie bspw. die Schrittlänge und -frequenz. Der Laufstil ist auch abhängig von der Haltung des Oberkörpers, der Armbewegung und der Hüfte – viele Faktoren also, ob es rund oder unrund läuft. Daher gibt es nicht „die“ Empfehlung für den perfekten Laufstil.

Was mich angeht, hat sich schon allein das Bewusstsein für den Laufstil bezahlt gemacht. Auch wenn es noch nicht perfekt ist, haben mich kleine Optimierungen schon schneller und ausdauernder gemacht.

Wie sieht es bei euch aus? Schonmal über den eigenen Laufstil nachgedacht oder so wie ich bis vor kurzem einfach drauflos?

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