Wettkampf

Hardtwaldlauf 2016 – Herbst, Taktik und eine wichtige Erkenntnis

Unterwegs beim Hardtwaldlauf 2016

Beim Hardtwaldlauf 2016 steckte noch der Halbmarathon Karlsruhe in meinen Beinen. Nur zwei Läufe im Vorfeld seit den 21,1 km zwei Wochen zuvor aufgrund weiter anhaltender Probleme mit der Achillessehne. Eine Laufstrategie musste her – eigentlich ungewohnt, da meine Läufe meist tagesformabhängig sind und meist zu schnell beginnen. Aber siehe da – mit einem Plan läuft es sich hervorragend.

Nach dem Halbmarathon ist vor dem Hardtwaldlauf

Der Halbmarathon in Karlsruhe verlief über die ersten 15km sehr gut, danach wurde es schwierig. Die Distanz über 10km sollte besser klappen. Allerdings war nach dem Halbmarathon meine Achillessehne endgültig gereizt. Der erste Versuch nach ein paar Tagen Laufpause endete bereits nach 200m vor lauter Schmerzen. Erst fünf Tage vor dem Hardtwaldlauf schnürte ich die Schuhe und machte zwei Einheiten.

Die beiden Einheiten liefen aber sensationell: ein Tempolauf mit einer Treppe von 4:15 min/km bis 3:30 min/km und zurück und am Folgetag ein Intervall-Lauf mit 5 x 1000m in einer Pace von jeweils 3:33 min/km. Ungeplantes Tapering im Vorfeld, Laufpausen steigern scheinbar doch die Leistung. Von der Pace her sollte daher eine Zeit beim Hardtwaldlauf unter 38 min möglich sein.

Hardtwaldlauf 2016 bei herbstlicher Atmosphäre

Sonntag, 9. Oktober 2016 um 8:30 Uhr. Abfahrt Richtung Hardtwald Karlsruhe. Es ist ein kalter Herbsttag, dunkel und feucht. Ungemütlich, aber ideal für einen schnellen Lauf. Der Lauf über 10km startet um 10 Uhr, also genug Zeit um nicht hetzen zu müssen. Parkplätze sind ausreichend vorhanden und die Startnummer ist auch schnell abgeholt.

Leichtes Einlaufen und ab zum Start. Dieser ist so breit wie ein Waldweg, es passen etwa 5 Leute nebeneinander. Eine enge und rutschige Angelegenheit also. Im Kopf errechne ich die Pace, die ich laufen müsste und komme auf 3:48 min/km. Das müsste hinsichtlich der beiden Läufe im Vorfeld möglich sein. Und heute werde ich mich auch an diese Vorgabe halten und nicht an die Spitze und wieder viel zu schnell starten. Startschuss!

Pacecheck beim Hardtwaldlauf 2016
Passt das Tempo von 3:48 min/km?

Ich bremse mich etwas ein auf dem ersten Kilometer. Die Versuchung ist groß, aber mit Blick auf die Uhr halte ich in etwa die vorgegebene Zeit und laufe zu Beginn in 3:44 min/km los. Der neue Saucony Fastwitch feiert seine Volkslaufpremiere und fühlt sich gut an – er hat auf dem nassen Asphalt einen hervorragenden Grip. Dann aber die erste Abzweigung und nun auf Waldboden. Der zweite Kilometer läuft sich schwieriger, es ist ziemlich rutschig und auf Gras und Kies kann die Sohle des Fastwitch nicht punkten. Ich habe den Eindruck bei jedem Schritt abzurutschen. Zweiter Kilometer daher unter der Vorgabe mit 3:54 min/km. Also Gas geben.

Die nächsten vier Kilometer laufe ich konstant und auf Asphalt bei 3:49 min/km, mit Hinblick auf einen schnellen letzten Kilometer ist also alles drin. Aber dann kommt erneut ein Kilometer mit Waldweg und die Pace rutscht wieder auf 3:55 min/km ab. Wird es auf den letzten beiden Kilometern doch noch knapp?

Endspurt in der Dreiergruppe

Mittlerweile haben noch zwei weitere Läufer meine Pace aufgenommen. Dadurch verläuft der vorletzte Kilometer mit andauernden Wechseln an der Spitze mit 3:45 min/km und die Sub38 sollte (gerade so) klappen.

Der vorletzte Kilometer beim Hardtwaldlauf 2016
Auf dem vorletzten Kilometer im Dreiergespann.

Das Tempo wird noch einmal verschärft, es geht Richtung Ziel. Aus der Entfernung zeigt die Uhr im Ziel 37:30 min an, es sind noch etwa 150m. Es sollte also reichen, die Frage ist nur in welcher Zeit? Die Antwort habe ich im Anschluss an den Zieleinlauf jedoch auch nicht, da ich mal wieder vergessen habe, die Uhr zu stoppen. Immer das gleiche.

Zieleinlauf beim Hardtwaldlauf 2016
Zieleinlauf nach 37:46 min.

Auf der Ergebnisliste finde ich mich dann im Anschluss auf Platz 18 mit einer Zeit von 37:46 min. Und jetzt kommt’s: In meiner Altersklasse M35 werde ich sogar 2. – das habe ich nicht erwartet. Unglaublich. Da ich das erst auf der Ergebnisliste zuhause bemerke, fehle ich beim Bild der Siegerehrung auf dem Treppchen.

Der große Lerneffekt beim Hardtwaldlauf 2016

Der Lauf war schnell. Es war die zweitschnellste Zeit 2016 und die viertschnellste Zeit, die ich jemals über 10km erreicht habe. Aber trotzdem war es vergleichsweise angenehm, was vor allem an der konstanten Geschwindigkeit lag. Kein Pulver am Anfang verblasen und dadurch weniger Mühe im letzten Drittel. Die Zeiten pro Kilometer unterscheiden sich kaum, nur die beiden Abschnitte über die Waldwege auf Kilometer 2 und 7 werden deutlich.

Rundenzeiten beim Hardtwaldlauf 2016
Zeiten der Runden beim Hardtwaldlauf

Der Hardtwaldlauf 2016 war ein toller und erfolgreicher Lauf – einerseits eine schöne flache Strecke und andererseits eine vorbildliche Organisation. Und für mich ein Augenöffner hinsichtlich der Rennplanung. Da bin ich gespannt auf die nächsten Volksläufe, die ich künftig überlegt mit einer konstanten Geschwindigkeit planen werde. Taktik is king!

Wer von euch plant die Pace im Vorfeld und wer läuft nach Tagesform?

1 Kommentar zu “Hardtwaldlauf 2016 – Herbst, Taktik und eine wichtige Erkenntnis

  1. Eine gleichmäßige Pace war schon immer das Ziel. Zuviel Laktat auf dem ersten Kilometer hat mir früher so manches Rennen versaut. Und die gute Tagesform kann sich dan hinten raus zeigen.

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