Wettkampf

Halbmarathon Karlsruhe 2016 – stark angefangen, stark nachgelassen

KM8 beim Halbmarathon Karlsruhe 2016

Beim Halbmarathon Karlsruhe 2016 war vieles neu. Neues Gelände für das Rahmenprogramm, neuer Start, neues Ziel und damit natürlich auch eine neue Strecke. Wenn man das Veranstaltungswochenende insgesamt betrachtet, dann war das alles sehr stark. Ich habe auch beim Lauf stark angefangen, dann aber ab Kilometer 17 stark nachgelassen. Oben auf einer der Brücken stand der Mann mit dem Hammer. Knallhart. Aber alles der Reihe nach.

Tag 1 des Halbmarathon Karlsruhe 2016

Am Samstag, also einen Tag vor dem Lauf, war schon einiges geboten. Im Vergleich zu den Vorjahren war alles größer, denn die Veranstaltung wurde vom Gelände der Europahalle in die Messe Karlsruhe verlegt. Brandschutzgründe, die Europahalle hat hier einige Mängel. Sehr angenehm war diese Tatsache vor allem hinsichtlich der Parkplatzsituation. Über 6.000 kostenfreie Parkplätze standen an den Veranstaltungstagen zur Verfügung. Die ganze Infrastruktur hatte im übrigen fast nur Vorteile.

Die Startnummer war schnell abgeholt, inklusive Gutscheinen für die Maultaschenparty. Das Wort Party verstand niemand so richtig, denn es war im Prinzip eine Essensausgabe und viele Bierbänke. Geschmeckt hat es jedenfalls, wenn auch der Kartoffelsalat extrem ölig war. Sollte vielleicht die Gelenke schmieren. Meinem Sohn Max haben die Maultaschen zumindest dabei geholfen, beim Mini-Marathon zu starten. Erster Lauf des Nachwuchses und direkt vorne dabei. Allerdings waren auch alle Starts der 333 m außer Konkurrenz aber mit viel Spaß. Und der stand im Vordergrund.

Mini-Marathon beim Badenmarathon 2016
Vor dem Start des Mini-Marathons.

Generell war einiges geboten, einige Stände von den Sponsoren und natürlich auch die Marathon-Messe. Schnäppchen gab’s dort keine, hier wurden eher die Läufer über den Tisch gezogen, die die aktuellen Marktpreise von Schuhen und Laufklamotten nicht kannten. Ein Fastwitch 7 für 120,- € oder auch ein älterer DS Racer für 100,- €. Günstig wie angekündigt wäre anders, aber „Messepreis“ bedeutet ohnehin meist Abzocke. Gekauft habe ich natürlich nichts.

Tag 2 des Halbmarathon Karlsruhe 2016

Der Tag des Laufs. 7 Uhr am Sonntag, der Wecker klingelt. Ich merke meine Knochen, Muskeln und Sehnen. Die Achillesferse ist heute tatsächlich die große Unbekannte. Seit Wochen quäle ich mich mit einer mal stärkeren und mal leichteren Entzündung. Seit Wochen kühlen und einsalben. Pausieren wäre vernünftiger gewesen, aber ich wollte unbedingt starten. Ab ins Auto und los in Richtung Messe Karlsruhe.

Hier ist viel Platz, im Vergleich zu den Vorjahren muss niemand frieren. Man trifft ein paar Bekannte und kann sich in Ruhe unterhalten – sehr angenehm. Weniger angenehm ist dann die Situation für ein Ritual, dass für die meisten Starter notwendig ist. Der Gang auf die Toilette. Aber das stellt sich als großes Problem heraus, denn Toiletten sind in der Messe Mangelware. Bei den Herren bilden sich lange Schlangen vor den Toiletten, bis zum Start wird das alles knapp. Aber auch das Problem wird gelöst, worauf nicht näher eingegangen wird.

Kaum Toiletten beim Halbmarathon Karlsruhe 2016
Lange Schlange wohin man schaut. #fokusonlokus

Entspannt laufe ich Richtung Start und ordne mich im Block „A“ ein. Hier dürfen Läufer starten, die eine Zielzeit von weniger als 1:29:59 h vorweisen können. Das ist auch auf der Startnummer mit dem entsprechenden Buchstaben vermerkt. Es ist grandios zu sehen, wie viele Läufer kreativ ihre Startnummer fälschen und sich bspw. Aufkleber mit einem „A“ über das „C“ auf ihrer Nummer kleben. Oder einfach frech übermalen. Hauptsache vorne dabei sein.

Die ersten 5 Kilometer laufen sich hervorragend schnell

Startschuss pünktlich um 9 Uhr, ab geht es Richtung Karlsruhe. Der erste Kilometer ist nach 3:38 min erreicht, das Tempo ist zu hoch – fühlt sich aber gut an. Irgendwann laufe ich neben einem bekannten Gesicht und fange ein kurzes Gespräch an. Johannes will den Halbmarathon in 1:22 h laufen, als Generalprobe für den Marathon in Frankfurt. Ich laufe zwei Kilometer mit, lasse ihn aber bei Kilometer 5 ziehen. Mit der aktuellen Pace würde das eine 1:20er-Zeit bedeuten. Utopisch.

Kilometer 4 beim Halbmarathon Karlsruhe 2016.
Johannes Kohl (ganz links) und ich (ganz rechts) bei Kilometer 4.

Eine 1:22er-Zeit könnte jedoch klappen, wenn ich weiter den Schnitt halte. Prognostizierte Zeit bei Kilometer 5 ist 1:22:10h. Das würde die PB vom Mai um 50 Sekunden verbessern. Aber ich habe noch nicht einmal 1/4 der Strecke geschafft, als ich nach 18:50 min die 5-Kilometer-Marke erreiche. Abwarten und Iso trinken.

Bis Kilometer 15 läuft es weiterhin hervorragend schnell

Nach wie vor bin ich auf der Suche nach einem Laufpartner, mit dem ich mich zusammen über die Strecke motivieren kann. Das hat beim Südpfalzlauf sehr gut geklappt und ist Gold wert. Bei Kilometer 7 spricht mich ein Läufer an und wir kommen ins Gespräch – es handelt sich um Daniel Mayer vom TSV Ötlingen, auch sein Ziel ist eine 1:22er-Zeit. Im Rennverlauf kreuzen sich immer wieder unsere Wege. Er ist zunächst ganz perplex, als er mich nach meinem Verein und Trainingsmethoden fragt und ich antworte, dass ich fast ausschließlich zweimal bis dreimal in der Woche in der Mittagspause die Laufschuhe schnüre.

Immer wieder taucht ab Kilometer 8 dann ein Fahrrad neben mir auf, der Begleiter für die führende Frau beim Marathon. Weiterhin in einer Pace schneller als 4 min/km. Hier merke ich, dass ich für eine ganze Gruppe der Pacemaker bin und sich eine Ansammlung von Läuferinnen und Läufer an mich hängen.

KM8 beim Halbmarathon Karlsruhe 2016
Nach 8 km beim Halbmarathon Karlsruhe 2016

Das geht bis Kilometer 15 so weiter. Diese Marke erreiche ich nach 58:28 min. So schnell wie noch nie zuvor. Die prognostizierte Zielzeit liegt bei 1:22:34 h. Aber ich merke meine Oberschenkel und fühle mich langsam platt.

Die letzten Kilometer werden zur Qual

Ich laufe zusammen mit Daniel weiterhin eine Pace von knapp 4 min/km und wir ziehen uns gegenseitig. Er mich sogar etwas mehr, nachdem ich zu Beginn die Pace gemacht habe. Aber bei Kilometer 17 kommt die Brücke nach Grünwinkel. Und alles wird anders. Die Pace sackt ab auf 4:13 min/km. Ich kann nicht mehr, die Brücke macht mich fertig. Eine Steigung von etwa 500 m Länge und ganz oben der Mann mit dem Hammer. Knall. Erwischt. Ich lasse Daniel ziehen.

Die letzten drei Kilometer versuche ich noch einigermaßen weiterzulaufen, die Pace rutscht aber immer weiter in den Keller auf 4:29 min/km und ich erreiche KM 21 nach 1:24:05 h. Auch die Achillessehne meldet sich. Mit der letzten Energie ziehe ich noch einmal an und lege einen Sprint ins Ziel hin. Das erreiche ich dann lt. GPS nach 21,3 km und in 1:25:14 h. Fertig. Feierabend. Stehend K.O. Trotzdem zufrieden. Aber was war da los mit mir?

Ursachenforschung für die Leistungskurve beim Halbmarathon

Ich habe das Ziel am Sonntag erreicht als 98. Läufer insgesamt bzw. 14. meiner Altersklasse in einer Nettozeit von 1:25:11 h – knappe zwei Minuten von meiner PB entfernt. Eigentlich nicht schlecht, wenn auch zu Beginn anders erwartet und prognostiziert. Auf den letzten 4 Kilometern ging es aber richtig bergab und dafür gibt es drei Ursachen.

Tempo beim Halnmarathon Karlsruhe
Tempoverlauf beim Halbmarathon Karlsruhe

Erstens: Ich bin das Rennen zu schnell angegangen – ich habe eine persönliche Bestzeit über 15 km hingelegt und bin die Kilometer 5 und 10 nur knapp unter meinen jeweiligen Bestzeiten auf den entsprechenden kurzen Distanzen gelaufen. Das hat sich eigentlich beim Lauf ganz gut angefühlt. War aber dann doch zu viel.

Zweitens: Die neue Strecke hat zwei richtig fiese Steigungen in Form von Brücken eingebaut. Hier muss ich meine 85kg erst einmal hochbewegen. Bei der zweiten Brücke vor Kilometer 17 war dann fertig. Ich zu schwer oder die Brücke zu steil. Oder beides.

Drittens: Mir fehlen die längeren Läufe in der Vorbereitung. Durch die Läufe in der Mittagspause sind Distanzen bis 12 km drin. Hier bin ich relativ fit und das erklärt auch die Pace bis KM 15. Das funktioniert. Hintenraus fehlt dann die Ausdauer. Die Pace wurde stetig langsamer.

Zufriedenheit und Erkenntnis nach Halbmarathon Karlsruhe 2016

Alles in allem aber dennoch ein guter Lauf, dieser Halbmarathon Karlsruhe 2016. Bestzeit über 15 km, drittbestes Ergebnis für mich bei einem Halbmarathon und toller Rahmen der Veranstaltung. Wesentlich hochwertiger als in den vorigen Jahren, sowohl Strecke als auch Start- bzw. Zielbereich. Außerdem habe ich im Zielbereich Christian Brenner getroffen – wir haben seit 5 Jahren vor, zusammen bei einem Lauf ein Bier zu trinken. Zum Bier hat es nicht gereicht (es gab Hatz), aber wir könnten uns etwas austauschen.

Ich bin nicht sicher, ob ich in nächster Zeit das Thema Halbmarathon weiter angreife, da die Läufe unter der Woche und in der Pause die notwendigen langen Läufe dafür nicht zulassen. Warum also nicht fokussieren auf Distanzen, die scheinbar funktionieren? Vor allem die 5km und 10km Läufe könnten künftig eine Richtung sein. Mal sehen. Jetzt heißt es aber erstmal die Achillessehne auskurieren.

Die Laufanalyse auf Strava gibt es natürlich auch und ebenso das obligatorische Video. Erkennt sich der ein oder andere darauf wieder? Wer von euch ist auch beim Halbmarathon Karlsruhe 2016 gestartet und wie fandet ihr die Veranstaltung?

7 Kommentare zu “Halbmarathon Karlsruhe 2016 – stark angefangen, stark nachgelassen

  1. Aus der Baby-/ Studium-/ Hausbau-Pause zurück und stärker als je zuvor! Chapeau

    • Florian Bernard

      War schonmal stärker in diesem Jahr, aber nicht bis KM15 – das hat gepasst. Danke für die Blumen!

  2. Wow, ein starker Lauf und dann gleich von mehreren Bestzeiten begleitet. Das muss man auch erst einmal so durchziehen, auch wenn nach hinten raus die Kraft gefehlt hat. Herzlichen Glückwunsch!

    • Florian Bernard

      Vielen Dank. Das war bis KM15 ein wirklich guter Lauf. Bis dahin hat es auch Spaß gemacht 😉

  3. Hallo Florian! Nun ja – klassischer „Anfänger-Fehler“, würde ich sagen. 😉 Vielleicht wäre es ja auf ebener Strecke am Ende sogar noch gut ausgegangen. Aber hey – 1:25er-Zeit – das muss man auch erstmal laufen! Insofern – Glückwunsch und Kopf hoch!

    Du solltest Dir aber wenigstens einmal die Woche einen längeren Lauf (20-25km) im ruhigen Tempo gönnen, wenn Du doch weiter in Sachen Halbmarathon unterwegs sein willst. Vielleicht reicht es auch alle 2 Wochen. Diese Grundlagenausdauerläufe sind das A und O! 80% GLA und 20% Tempo – das ist die richtige Trainingsmischung.

    Doch ich würde nun erstmal wirklich die Sehne auskurieren! Mein Tipp – Orthomol Tendo! Und Omega3-Kapseln extra noch zusätzlich in hoher Dosis! Vitamin D3 auch mal checken! Dr. Feil gibt auch gute Anleitungen bei Sportverletzungen! So – „Klugscheißmodus“ wieder aus! ;-D

    Grüße aus Köln!
    Mario

  4. Also ich finde Deine Zeit super, wenn man bedenkt, dass Du im Training keine längeren Läufe gemacht hast. Ich hatte das gleiche Problem und musste mich vor allem nach der letzten Brücke richtig quälen. Aber den Halbmarathon würde ich an Deiner Stelle nicht wegfallen lassen. Ein paar längere Läufe in der Vorbereitung und Du wirst Dich Deiner PB nähern. Das zeitlich unterzubekommen ist nicht einfach, ich weiß. Vielleicht bekommst Du es ja ein Mal im Jahr hin. Wäre schön, denn ich möchte Dich dort wieder treffen. 😉

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