Wettkampf

Bergdorfmeile 2017 – aller guten Dinge sind vier!

Ich bin in Hohenwettersbach, dem Austragungsort der Bergdorfmeile, aufgewachsen und lebe und laufe nun auch seit zwei Jahren wieder dort. Die erste Meile ist vor vier Jahren allerdings komplett an mir vorbeigegangen, bei der zweiten Meile wollte ich nicht, bei der dritten Meile konnte ich nicht. Bei der vierten Meile bin ich nun direkt auf dem Treppchen gelandet. Aller guten Dinge sind eben vier.

Es ist nicht nur die vierte Meile gewesen, sondern auch der vierte Versuch endlich im Jahr 2017 an einem Volkslauf teilzunehmen. Die eigentlich geplanten Volksläufe in Neureut und Ettlingen habe ich verpasst, bei der Badischen Meile bin ich krank gewesen. Umso größer daher die Freude, dass an dem 14. Juli 2017 alles zu klappen schien. Die Bergdorfmeile macht es einem aber auch einfach, was vor allem an zwei Dingen liegt: Die Stimmung an der Strecke durch die Bergdörfer ist super und die Veranstalter sorgen dazu noch für einen idealen Ablauf.

Probelauf für die Bergdorfmeile

Dieser ideale Ablauf hat für mich am 24.6. begonnen, nachdem ich im äußerst entspannten Frankreichurlaub zwar Laufschuhe dabei gehabt habe, allerdings viel zu faul gewesen bin, diese zu schnüren. Auch im Mai zuvor bin ich kaum gelaufen. In Urlaubsform bin ich also an diesem Samstag in die Lindenstraße geschlendert (die Straße hat nichts mit der gleichnamigen ARD-Soap zu tun) und habe versucht die Strecke mit abzulaufen. Die Wege kenne ich zwar auswendig, den Streckenverlauf der Bergdorfmeile bin ich aber bisher nie gelaufen. Verirren kann ich mich also nicht, habe gleichermaßen aber darauf gehofft, dass sich der ein oder andere Probeläufer auch auch auf ein zügigeres Tempo einlassen würde.

Vor dem Probelauf der Bergdorfmeile 2017
Vor dem Probelauf der Bergdorfmeile 2017

Unter den knapp 20 Läufern ist tatsächlich eine 4er-Gruppe mit einer zügigeren Pace entstanden, die sich im Endeffekt bei 4:30 min/km eingependelt hat. Bei den Anstiegen und Abstiegen im Streckenverlauf eine gute Geschwindigkeit. Ich muss allerdings an dieser Stelle zugeben, dass ich den Lauf kurz vor dem Ende abgebrochen habe oder besser gesagt, eine Abkürzung nach Hause genommen habe.

Die Bergdorfmeile mit idyllisch-anspruchsvollem Streckenverlauf

Die Bergdorfmeile ist eigentlich eine recht idyllische Strecke. Es geht über die traditionelle Länge von offiziell knapp 8,88889 km durch ein Waldstück am Batzenhof vorbei, über die Pappelallee mit einem tollen Blick Richtung Rheinebene auf der einen Seite und dem Schwarzwald auf der anderen Seite in ein weiteres Waldstück, über Feldwege mitten durch den Ortskern an noch mehr Feldern ins Ziel. Wenn da nicht zwei ganz fiese Anstiege bei Kilometer 5 und Kilometer 8 wären.

Nachdem ich es aber nach dem Probelauf in den folgenden zwei Wochen auch wieder nur zu vier weiteren Läufen geschafft habe, sind in der Woche des Laufs dann leichte Zweifel gekommen. Einigermaßen wollte ich ja dann doch im vorderen Bereich mitlaufen.

Notfalltrainingsplan und Zielsetzung für die Bergdorfmeile

Daher habe ich meine Läufe kurz vor der Bergdorfmeile nochmal etwas intensiver gestaltet und habe mir Magnesium ohne Ende eingeworfen, um den vermuteten Muskelkater und die Müdigkeit zu umgehen. Am Montag habe ich einen längeren Lauf gemacht, am Dienstag sind es Intervalle über 1,6km gewesen und am Mittwoch bin ich die ganze Strecke der Bergdorfmeile zum ersten Mal überhaupt abgelaufen. Dafür habe ich etwa 37:50 min benötigt, was mit dem Blick auf die Ergebnisse der letzten drei Jahre schon ganz gut gewesen ist.

Bei der Bergdorfmeile gibt es die Wertung der schnellsten Hohenwettersbacher. Triathlet Felix Tutsch sollte sehr wahrscheinlich die Wertung gewinnen, danach ist alles offen, auch wenn ich beim Altstadtlauf Ettlingen 2016 einige Sekunden vor ihm ins Ziel kam. Aber da war ich auch wesentlich fitter als zum aktuellen Zeitpunkt. Also realistisch bleiben. Dass es später das Treppchen wird, hätte ich aber nicht gedacht.

Beste Bedingungen bei der Bergdorfmeile 2017

Es ist schon ein Luxus, wenn man innerhalb von fünf Minuten zu Fuß von zuhause die Startnummer abholen, dann nochmal gemütlich nach Hause und sich umziehen und dann tiefenentspannt zum Start laufen kann. Einzig und allein, dass der Start an einem Freitag um 19 Uhr ist, beeinträchtigt die arbeitenden Läufer vielleicht etwas. Auf der anderen Seite ist es ein schöner Ausklang der Woche – das kann man sehen wie man möchte.

Für Mitte Juli sind es am Abend angenehme 23°C, die Meile im Vorfeld restlos ausgebucht mit 900 Läufern. Die Veranstaltung ist in der vierten Auflage für viele Läufer schon fester Bestandteil des Laufjahres, auch Spitzenläufer der Region wie bspw. Jannik Arbogast nehmen 2017 wieder teil.

Daneben auch viele Hohenwettersbacher, die mit einem gesunden Ehrgeiz an den Start gehen, um vorne ein Wörtchen mitzureden. Pünktlich um 19 Uhr hat dazu auch jeder die Gelegenheit, als der Startschuss ertönt.

Start der Bergdorfmeile 2017
Start der Bergdorfmeile 2017.

Mit 3:54 min/km und 3:57 min/km geht es über die ersten beiden Kilometer, bisher fühlt sich alles gut an. Es könnte auch schneller gehen, doch der Respekt vor den beiden Anstiegen bremst die Motivation etwas. Während dieser ersten Kilometer bin ich zusammen mit Felix Tutsch als schnellster Hohenwettersbacher unterwegs. Bei Kilometer drei lasse ich ihn jedoch ziehen, das Tempo kann und will ich nicht mitgehen.

Danach geht es steil runter, dann nicht mehr so steil runter und dann kommt als logische Konsequenz auch ein Anstieg. Der hat es in sich, da man bei der Wasserstelle denkt, dass man es geschafft hat. Leider kommt gleich noch einmal ein Anstieg. Nichts für mich, ich bekomme einfach keine Geschwindigkeit den Berg hoch und werde von ein paar Läufern überholt. Dieses Schneckentempo von 4:42 min/km versuche ich im folgenden Verlauf wieder reinzuholen, es geht wieder bergab.

Da wo es runter geht, da geht es wieder rauf. Nach vorne habe ich den Anschluß verloren, ich merke, dass sich hinter mir ein paar Läufer nähern. Und wieder: Keine Geschwindigkeit den Berg hoch – meine Verfolger offensichtlich aber auch nicht. Es gibt keinen Versuch mich zu überholen und ich weiß mit dem Blick auf den Forerunner, dass es nur noch knapp ein Kilometer bis zum Ziel ist.

Vor mir liegt jetzt noch die Schafweide, der wohl gemeinste Abschnitt des Rennens. Ein sich ziehender Anstieg, der die letzten Reserven aufbraucht. Fast ein 5er-Schnitt, viel zu langsam. Zwei Läufer ziehen an mir vorbei, auch sichtlich gezeichnet. Jetzt ist es nur noch Kopfsache, denn der Akku ist leer. Oben angekommen ist nur noch Vollgas angesagt. Ich überhole sogar wieder die beiden. Mir fällt auf, dass ich das ganze Rennen keine Zielzeit hochgerechnet habe und auch jetzt macht der Kopf nicht mit. Eine 36er-Zeit ist sicher, vielleicht geht mehr. Augen zu und durch.

Zieleinlauf, hinter mir ist niemand mehr. 20 Meter vor dem Ziel höre ich auf und gehe ins Ziel. Ankunft nach 35:51 min, wie sich später rausstellt – ich vergesse die Uhr zu stoppen.

Im Ziel bei der Bergdorfmeile 2017
Im Ziel bei der Bergdorfmeile.

Was für eine Quälerei – aber eine, die sich lohnt. Von der angesprochenen Idylle der Strecke habe ich nichts mitbekommen, aber davon, dass ich als dritter Hohenwettersbacher durch das Ziel gelaufen bin und insgesamt als 17. – das hätte ich nicht erwartet. Dieses Mal warte ich auch bis zur Siegerehrung, nachdem ich letztes Jahr bei den Erfolgen in meiner Altersklasse immer zu früh abgehauen bin.

Lernkurve nach der Bergdorfmeile

Der Rennverlauf zeigt deutlich, dass ich nicht für Höhenmeter gemacht bin. Auf geraden Abschnitten mit sehr guten Zwischenzeiten, auf Anstiegen oder auch Abstiegen eher durchschnittlich. Ich bin gespannt, was ich nach dem Sommer bei flachen Volksläufen abliefern kann. Die Distanz beschränke ich 2017 wahrscheinlich auf 10km, einen Halbmarathon gehe ich nächstes Jahr wieder an. Ganz bestimmt aber auch die Bergdorfmeile – Qual hin oder her.

Details zum Lauf bei der Aktivität auf Strava. Lauft ihr auch öfter solche Strecken oder ist euch die Ebene lieber?

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