Wettkampf

Baden-Halbmarathon 2011 – auf der Jagd nach Dr. R.

Baden-Halbmarathon 2011

Mit einem Jahr Verspätung sollte ich mein Heimspiel beim Baden-Halbmarathon laufen. 2010 konnte ich den Halbmarathon nicht antreten. Auch dieses Jahr stand unter keinem guten Stern.

Rückblick: Mitten in der Vorbereitung für den Lauf hinderte mich eine Angina drei Wochen lang, die Laufschuhe zu schnüren. Die verbleibenden vier Wochen musste ich mir dann ganz genau einteilen. Trotzdem habe ich die Messlatte für mich etwas tiefer gehängt und wollte eigentlich nur schneller als in Kandel im Ziel sein. Das hätte eine Zeit von 1:29:08 bedeutet. Eigentlich machbar.

Bekannte Gesichter beim Baden-Halbmarathon

Dann habe ich auf der Starterliste gesehen, dass ein guter Bekannter ebenfalls am Halbmarathon teilnimmt – ähnlich schnell. Das optionale Ziel war vor ihm über die Linie zu laufen. Nachdem er aber vor zwei Wochen über die Distanz eine 1:25er Zeit gelaufen ist, habe ich mich davon wieder verabschiedet. Durch dem unkonventionellen Trainingsplan und der Unterbrechung musste ich erst einmal schauen was geht.

Der Morgen des Wettkampfs hat dann mit einem anderen Kampf begonnen, nämlich damit, aus dem Bett zu kommen. Mit dem Blick aus dem Fenster dann die Bestätigung, dass es Herbst geworden ist. 9°C und Regen. Ab ins Auto und auf zum nächsten Kampf – der um die Parkplätze. Bei knapp 8.000 erwarteten Startern sind diese Parkplätze natürlich rar gewesen und der Weg vom Auto zum Start lang. Also eine schicke blaue Mülltüte übergezogen, Schuhe an (natürlich die Saucony Mirage…), Gels und Powerriegel in die Hand und ab. Ziemlich ungemütlich für einen Sonntag Vormittag.

Im Startblock A warte ich neben all den anderen ambitionierten Läufern auf den Startschuss. Zuerst aber das Wiedersehen mit dem guten alten Bekannten. Nennen wir ihn Dr. R.. Natürlich ist für uns beide das Ziel „ankommen und wenn möglich etwas schneller als sonst“. Keiner gibt zu, schneller als der andere sein zu wollen… Männer eben.

Startschuss – und viel zu schnelles Tempo für einen Halbmarathon

Los geht’s und es geht schnell los. Nach 400 Metern der erste Blick auf die Uhr und ein Tempo von knapp 3:31 min/km. Viel zu schnell. Ich habe gelernt und nehme Tempo raus. Dr. R. behalte ich aber im Auge, der schon etwa 100 Meter weg ist.  Gas geben oder kontrolliert ins Rennen gehen? Ich entscheide mich für die zweite Variante. So laufen die ersten Kilometer über die Kriegsstraße, den Ostring, die Durlacher Allee, quer durch Durlach in den Oberwald. Hier kenne ich mittlerweile jedes Schlagloch, das macht es angenehm. Heimspiel eben. Und bei 39:59 min über die 10km-Marke. Eigentlich zu schnell. Aber es läuft. Und Dr. R. ist weiterhin 100 Meter vor mir.

Die zweite Hälfte ist auch für mich Neuland. Zwar kenne ich die Gegend, hätte mir aber den Plan genauer anschauen sollen. Trotzdem läuft es weiter gut und in einem Schnitt, der schneller als 4:00 min/km ist. Sollten etwa die 1:25:00 h drin sein? Aber ich warte ab, in Kandel war ab Kilometer 14 Feierabend. Doch es läuft und Dr. R. ist noch 80 Meter vor mir.

Mittlerweile laufe ich fast sicher eine Zeit im Bereich von 1:25:00, es müsste viel passieren wenn es nicht reichen sollte. Kilometer 16, 17, 18, 19 sind alle schneller als die 4:00 min/km. Heute läuft es und Dr. R. ist noch 50 Meter vor mir.

Zieleinlauf – eine knappe Sache

Es geht in die „Klotze“ und zur Weiche, die die Halbmarathonis Richtung Ziel leitet. Jetzt ist es nicht mehr weit und es läuft und läuft. Aber Dr. R. ist noch immer 30 Meter vor mir. Jetzt volles Risiko, das Ziel sehe ich nicht und vermute es nur an der gleichen Stelle wie bei der Badischen Meile und dem B2Run. Also knappe 150 Meter von der engen Kurve entfernt, in die es gleich geht. Noch hoffentlich 400 Meter und keinen Meter mehr, Augen zu und durch. 3:14 min/km. Alles was geht und an 20 Läufern vorbei. Auch an Dr. R.. Der holt aber auf und packt mich kurz vor dem Ziel fast noch. Aber heute läuft es und Dr. R. ist 5 Meter hinter mir. Aus. Vorbei. 1:23:56 h am Ende offiziell. Wahnsinn.

Doch freuen können wir uns beide, denn wir sind beide unter 1:24:00 h geblieben. Wer sich ebenfalls freuen darf ist Christian Brenner, auf den ich noch gewartet habe. Schließlich steht seit der Badischen Meile noch das Zielbier aus. Dieses Mal in Form von alkoholfreiem Moninger, aber das geht auch. Muss ja. Christian ist unter 1:40:00 geblieben, ebenfalls die PB um Minuten verbessert. Verpasst habe ich leider den AL, aber auch von hier nochmal Glückwunsch zum Lauf!

Brauchbare Bilder existieren leider nicht, ich habe aber alle Kosten und Mühen gescheut, einen Film hochzuladen. Bilder gibt es mittlerweile schon, wie man sehen kann. Der Film bleibt trotzdem online 🙂 Ich bin jeweils der mit weißen Kniestrümpfen, schwarzer Tight, weißem Trikot und schwarzer Kappe. Keine Angst, das Video ist in Farbe…

Insgesamt eine nasse, kalte, aber tolle Veranstaltung mit einer interessanten Strecke. Daheim läuft es sich eben am besten. Der nächste Lauf am 1.10. findet quasi auch in meinem Wohnzimmer statt, dann geht es auf 10 km beim Turmberglauf. Mit neuer PB? Mal sehen…

Hier ist der Lauf:

10 Kommentare zu “Baden-Halbmarathon 2011 – auf der Jagd nach Dr. R.

  1. Das ist ja schon beinahe filmreif. Ich sehe schon das Plakat am Kino „Florian Bernard jagt Dr. R.“(James Bond lässt grüßen). 😉
    Aber mal im Ernst. Was Du da abgeliefert hast, ist absolute Klasse! Du hast trotz des Rückschlags in der Vorbereitung weiter hart trainiert. Den Lauf bist Du diszipliniert und clever angegangen, so dass Du am Ende mit einer wahnsinns Zeit belohnt wurdest. Letztendlich hast Du alles richtig gemacht. Glückwunsch! 🙂
    PS: Karlsruhe ist auch für mich ein gutes Pflaster. Mit Mannheim stehe ich auf Kriegsfuß. Da habe ich noch eine Rechnung offen. 😉

  2. Der Bericht ist nicht nur toll geschrieben – es klingt auch ganz danach, dass du famos gelaufen bist. Herzlichen Glückwunsch dazu!

  3. Pingback: Brennr.de - Laufblog & Laufen 2.0

  4. Danke euch beiden. Christian, Mannheim hätte in deiner jetzigen Form auch geklappt. War ja auch von dir ein super Rennen.

    Vielleicht sieht man sich ja in ein paar Wochen in Hockenheim? Alles eine Frage von Feiertag oder nicht, oder Marathon oder nicht. Oder beides 🙂

  5. Hey! Das Du mich auf den letzten 200m überholt hast, war genau der richtige Ansporn noch einmal durch zu starten und die 1:24 zu knacken! Wenn ich am Mittwoch zu Hause bin schicke ich Dir noch meine Einlaufbilder – auf denen Du sehr gut zu sehen bist!

  6. Super – auf die bin ich gespannt, vllt. landen ja doch noch ein paar Bilder hier!? Bist du am SA in Durlach dabei?

  7. Ein wahnsinniges Tempo seid ihr da gelaufen, aber die Bedingungen schienen auch wirklich bestzeit-tauglich zu sein. Bei dir liest sich das so locker: Kilometer 16, 17, 18, 19, da muss ich meist mit meinem bescheidenen Tempo schon mächtig kämpfen…

  8. Hallo Florian,

    also eigentlich hatte ich Dir hier auch schon einen Kommentar geschrieben, aber nun sehe ich, dass dieser gar nicht mehr da ist. Verstehe ich nicht!

    Also noch einmal – herzlichen Glückwunsch zu dieser genialen Leistung! Das kann man wohl „SUPERKOMPENSATION“ nennen, oder!? Auf den Tag genau fit! Klasse! Da ist Dein etwas „unkonventioneller“ Plan ja voll aufgegangen. Und Du siehst kurz vor der Ziellinie noch immer recht locker aus ….

    Grüße aus Köln!
    Mario

  9. Pingback: Turmberglauf 2011 | Florian Bernard

  10. Pingback: Leistungsdiagnose - ein Experiment | Schrittkultur

Kommentar verfassen

Share This