Wettkampf

29. Neureuter Volkslauf – wer schneller läuft wird kürzer nass

Vor dem Start beim Neureuter Volkslauf.

Ich habe vor einiger Zeit einen Beitrag bei der Sendung mit der Maus über das Nasswerden bei Regen gesehen. Um möglichst trocken zu bleiben, hilft es demnach nicht wenn man schneller läuft, sondern eigentlich hilft nur der Regenschirm. Aber auch hier hört man andere Meinungen und mittlerweile gibt es sogar physikalische Forschungsarbeiten darüber, ob man weniger nass wird wenn man schneller läuft oder nicht. Da ich aber vor allem der Maus vertraue, bleibt es dabei, dass man nicht weniger, aber zumindest kürzer nass wird. Der eigentliche Punkt ist aber im Zusammenhang mit dem 29. Neureuter Volkslauf  ohnehin das schnelle Laufen. Mit oder ohne Regen.

Regen gab es im Vorfeld trotzdem genug. Die Hoffnung auf ein trockenes Rennen hatte ich am Morgen des Laufs schon begraben, es kübelte aus Eimern. Eigentlich keine guten Bedingungen für die erste Standortbestimmung meiner läuferischen Fitness seit längerer Zeit. Diese Fitness sollte sich im Idealfall unter 40min auf 10km einpendeln. Der letzte Wettkampf lag auch schon ein paar Jahre zurück, ich musste mir für gewisse Szenarien im Vorfeld wieder die durchschnittliche Pace errechnen. Das hatte ich mal alles im Kopf. Lange ist es her.

Perfekte Organisation beim Neureuter Volkslauf

Am Veranstaltungsort gab es ausreichend Parkplätze, alles war hervorragend organisiert, nur die Suche nach dem Start war eine Hürde. Neben dem 10er fand auch ein 5er statt. Dieser startete vor dem Vereinsgelände, der 10er aber ein paar hundert Meter weiter der Straße entlang, erkennbar an einem kleinen grünen Strich auf der Straße. Wenn man aufmerksam schaute, dann konnte man diesen Strich auch finden. Eine Ansammlung von Läufern wies mir aber glücklicherweise ohnehin den Weg.

Um 9:45 Uhr erfolgte der Startschuss und das Feld setzte sich in Bewegung. Mein Plan war einfach mal mitzulaufen und zu sehen was passiert. Am besten alles innerhalb von 40min. Nach dem ersten Kilometer fand ich mich mit einer Pace von 3:30 min/km auf der fünften Position im Feld wieder. Viel zu schnell, klassischer Anfängerfehler. Aber dazu zähle ich mich einfach, ich laufe ja schließlich erst seit Januar wieder. Da kann man so einen Bock schon mal mit gutem Gewissen schießen.

Der Streckenverlauf zog sich über asphaltierte Feldwege durch die Neureuter Felder, auch an Läufern vorbei, die auf der 5er-Distanz unterwegs waren. Mit einigen deutlichen und lautstarken – aber stets freundlichen – Schreiern gingen die aber auch auf die Seite, sodass der zweite, dritte und vierte Kilometer im Schnitt mit 3:47 min/km liefen. Noch immer zu schnell, aber noch immer auf dem fünften Platz. Und dummerweise niemand der mich zog oder von hinten antrieb. Ein einsames Rennen. Die Spitzengruppe war ein paar hundert Meter vor mir, der nächste Läufer ein paar hundert Meter hinter mir.

Eine mentale Probe beim Volkslauf

Der siebte Kilometer wurde dann zur mentalen Probe. Die Pace sackte unterhalb der 4:00 min/km ab und zwei Läufer kamen immer näher von hinten. Aufgrund der bisherigen Kilometer sollten aber durch den Puffer der schnellen ersten Kilometer auch mit einer abfallenden Pace die 40 min drin sein. Aber geht da noch mehr? Einfach war es nicht: Regen und viele Pfützen, die man nicht umlaufen konnte und die Schuhe schwer machten.

Ich hatte ein paar Wochen zuvor einen Vortrag über das Laufen gehalten, darin auch die 40%-Regel der SEALS. Auf Deutsch: Wenn man denkt, dass man körperlich nicht mehr kann, dann ist man eigentlich erst bei 40% der Leistungsfähigkeit angelangt und hat demnach noch etwa 60% Reserven. Die ganzen 60% bräuchte ich nicht mehr, aber drei Kilometer waren es schon noch. Also Kopf aus und Laufen.

Einer der Verfolger kam immer näher aber tatsächlich konnte ich die letzten drei Kilometer noch einmal Gas geben und mit einer Pace von 3:56 min/km auf dem letzten Kilometer noch einmal davon ziehen. Letzte Probe war ein ganz fieser Anstieg von 20 Metern. Da kamen mir die verhassten „Bergläufe“ meiner Hausstrecke in Hohenwettersbach doch noch zu Gute. Wer hätte das vermutet?

Zieleinlauf nach 38:52 min. Fünfter Platz. Wahnsinn. Durch die 5km-Durchlaufzeit von 18:55 min mit einem Lauf zwei meiner Ziele von 2016 direkt abgehakt. Hier muss ich jetzt wohl oder übel nachjustieren…

Ob ich jetzt weniger nass geworden bin oder nicht interessiert mich überhaupt nicht. Auf jeden Fall bin ich es aber kürzer geworden als vorher gedacht. Auch gut.

8 Kommentare zu “29. Neureuter Volkslauf – wer schneller läuft wird kürzer nass

  1. Ich hatte es geahnt. Da läuft er das erste Mal seit Jahren wieder einen Wettkampf und haut gleich so eine geniale Zeit raus. Glückwunsch! Dein Talent möchte ich haben. Ich werde die Sub40 wohl nie schaffen, außer ich mache ein Sabbatical und trainiere ein Jahr wie ein Verrückter.
    Tja, jetzt nur noch 11,1km in 1:01 dranhängen und Du hast auch Dein drittes Ziel erreicht. Ich werde sehr wahrscheinlich in Karlsruhe beim HM starten (ist ja schließlich eine neue Strecke mit neuem Start/Ziel). Dann holen wir das endlich mit dem Bier nach. 😉

    • Florian Bernard

      Danke! HM versuche ich am Pfingstmontag in Rülzheim. Da muss ich allerdings noch den ein oder anderen längeren Lauf vorher hinbekommen.

      Würde mich freuen, wenn es dann im September klappt mit dem Bier. Ich verfolge aber deinen Blog, vielleicht packt es mich ja mal spontan in der Mannheimer Ecke zu laufen…

  2. Hallo Florian,

    ich glaube, es war einer meiner letzten Kommentare am Ende Deiner „ersten Laufperiode“ vor ein paar Jahren – aber ich wiederhole mich in dieser Sache gern: „Du bist die schallende Ohrfeige für alle die von uns, die sich Abend für Abend auf irgendwelchen Feldwegen oder Ortsstraßen abmühen, um einmal im Leben die berühmten läuferischen Schallmauern zu durchbrechen!“. Unfassbar! 😉 Aber – Glückwunsch! Klasse Leistung!

    Sportliche Grüße aus Köln!
    Mario

    • Florian Bernard

      Hi Mario,

      das mit der schallenden Ohrfeige ist gut, ich erinnere mich. Die „zweite Laufperiode“ fühlt sich bisher gut an, mal sehen, was dieses Jahr so geht.

      Aber erst einmal Danke für die Glückwünsche!

      Viele Grüße,

      Flo

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